Krafttraining für Anfänger: Wie oft, wie schwer, wie lange
Als Anfänger trainieren Sie zwei- bis dreimal pro Woche den ganzen Körper, mit 1 bis 3 Sätzen pro Übung und einem Gewicht…
Liegestütze machen Sie richtig, wenn die Hände etwa schulterbreit unter den Schultern stehen, der Körper von Kopf bis Ferse eine Linie bildet, die Brust kontrolliert bis knapp über den Boden sinkt und die Arme oben wieder ganz gestreckt werden. Wer das noch nicht sauber schafft, beginnt mit erhöhten Händen oder auf den Knien. Für den Anfang genügen zwei bis drei Sätze an mindestens zwei Tagen pro Woche.
Begrenzte Evidenz: Drei kleine, kurze randomisierte Studien mit 18 bis 30 überwiegend jungen Männern zeigen übereinstimmend, dass Liegestütze bei passender Belastung ähnlich stark machen wie Bankdrücken. Die Empfehlungen zu Technik und Varianten beruhen auf Labormessungen mit wenigen Teilnehmenden und auf den allgemeinen ACSM-Empfehlungen zum Krafttraining.
Zwei, drei Liegestütze klappen, dann sackt die Hüfte durch, die Schultern wandern Richtung Ohren oder das Handgelenk meldet sich. Liegestütze richtig auszuführen heißt vor allem: Hände etwa schulterbreit unter den Schultern, Körper in einer Linie, Brust kontrolliert nach unten, oben die Arme wieder strecken. Wer das noch nicht sauber schafft, wählt eine leichtere Variante, statt die Technik zu opfern.
Große Studien gibt es zu dieser Übung nicht, wohl aber einige kleine: Darin machten Liegestütze bei vergleichbarer Belastung ähnlich stark wie Bankdrücken. Dieser Text eröffnet den Übungsatlas in unserem Bereich Training.
Stellen Sie die Hände etwa schulterbreit direkt unter die Schultern, halten Sie Kopf, Rumpf und Beine mit fester Körperspannung in einer Linie und senken Sie die Brust kontrolliert Richtung Boden. Drücken Sie sich dann hoch, bis die Arme gestreckt sind. Zählen Sie nur Wiederholungen, bei denen Körperlinie und Bewegungsumfang erhalten bleiben.
Wie weit die Ellbogen vom Körper abstehen sollen, ist kaum untersucht; eine feste Gradzahl gibt die Studienlage nicht her. Belegt ist, dass die Handposition die Kräfte am Ellbogen verändert: Bei neun gesunden Männern lag die Spitzenkraft entlang des Unterarms in normaler Handstellung bei 45 Prozent des Körpergewichts und sank bei weiter auseinander gesetzten Händen.
Die Hauptarbeit leisten der große Brustmuskel (Pectoralis major) und der Trizeps auf der Rückseite des Oberarms. Eine Übersichtsarbeit über 30 Studien mit Elektromyografie (EMG), also Messungen der elektrischen Muskelaktivität, fand beim Standard-Liegestütz hohe Aktivität in Brust, Trizeps und vorderem Sägemuskel, aber geringe im oberen Trapezmuskel. Deltamuskel, Rotatorenmanschette und Rumpfmuskeln konnte sie mangels Daten nicht auswerten.
Die Variante verschiebt die Gewichte. In einer Studie mit 40 Personen, davon 29 Frauen, waren Brust und Trizeps bei engem Handabstand stärker aktiv als bei weitem. Eine Messung an acht Freiwilligen mit zwölf Muskeln bestätigte das und zeigte, dass Bauch- und Rückenmuskeln vor allem stabilisieren.
Über alle gemessenen Muskeln gemittelt erreichte der Standard-Liegestütz 38,2 Prozent der maximalen willkürlichen Anspannung, mit Händen auf einer stabilen Erhöhung waren es 15,8 Prozent, auf instabilem Untergrund 49,6 Prozent. Dazu gehört eine Einschränkung: EMG zeigt, wie stark ein Muskel in diesem Moment arbeitet, nicht, ob er auf Dauer wächst.
Drei randomisierte Studien haben Liegestütze direkt mit Bankdrücken verglichen. Entscheidend war jeweils, die Belastung anzugleichen: mit einem elastischen Band, einer angepassten Körperposition oder schrittweise schwereren Varianten.
In der ersten Studie trainierten 30 Studierende mit fortgeschrittener Krafttrainingserfahrung fünf Wochen lang Bankdrücken oder Liegestütze mit elastischem Band, beides so schwer, dass nur sechs Wiederholungen möglich waren (Calatayud 2015). Beide Gruppen legten ähnlich an Kraft zu, eine Kontrollgruppe ohne Training blieb unverändert.
In Japan absolvierten 18 Sportstudenten mit mindestens einem Jahr Krafttrainingserfahrung acht Wochen lang zweimal pro Woche drei Sätze bis zur Erschöpfung (Kikuchi und Nakazato 2017). Die eine Hälfte drückte 40 Prozent ihrer Maximallast auf der Bank, die andere machte Liegestütze, deren Position (normal, auf den Knien, auf den Knien mit erhöhten Händen) an dieselbe Last angepasst war. Der Brustmuskel wurde mit Liegestützen um 18,3 Prozent dicker, mit Bankdrücken um 19,4 Prozent; ein Unterschied zwischen den Gruppen war nicht nachweisbar.
In den USA trainierten 23 moderat trainierte Männer vier Wochen lang dreimal pro Woche Bankdrücken oder immer schwerere Liegestütz-Varianten (Kotarsky 2018). Die Maximalkraft im Bankdrücken stieg in beiden Gruppen deutlich, die Muskeldicke änderte sich in dieser kurzen Zeit in keiner Gruppe messbar.
| Studie | Teilnehmende | Training | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Calatayud 2015 | 30 Studierende mit Krafttrainingserfahrung | 5 Wochen, Liegestütze mit elastischem Band gegen Bankdrücken, je 6 Wiederholungen möglich | ähnliche Kraftzuwächse in beiden Gruppen (13,65 bis 22,21 Prozent), Kontrollgruppe unverändert |
| Kikuchi und Nakazato 2017 | 18 junge Männer | 8 Wochen, 2-mal pro Woche, 3 Sätze bis zur Erschöpfung bei 40 Prozent der Maximallast | Bankdrück-Maximum von 61,1 auf 64,2 kg (Liegestütze) und von 60,0 auf 65,0 kg (Bank); Brustmuskel 18,3 und 19,4 Prozent dicker |
| Kotarsky 2018 | 23 moderat trainierte Männer | 4 Wochen, 3-mal pro Woche, schrittweise schwerere Varianten | Maximalkraft in beiden Gruppen gestiegen, Muskeldicke unverändert |
Nach diesen Studien sind Liegestütze keine Notlösung für Tage ohne Hantelbank, solange die Variante fordernd genug ist. Mehr geben drei kleine, kurze Studien allerdings nicht her.
Die bekannteste Liegestütz-Studie stammt aus dem US-Bundesstaat Indiana (Yang 2019). Ausgewertet wurden 1.104 Berufsfeuerwehrmänner, im Mittel 39,6 Jahre alt und mit einem durchschnittlichen BMI von 28,7. Sie machten Liegestütze im Takt eines Metronoms mit 80 Schlägen pro Minute, bis zu 80 Stück oder bis sie dreimal den Takt verpassten.
In den folgenden zehn Jahren traten 37 Herz-Kreislauf-Ereignisse auf, etwa Diagnosen einer koronaren Herzkrankheit. Wer mehr als 40 Liegestütze schaffte, hatte im Vergleich zu Männern mit höchstens zehn eine viel niedrigere Ereignisrate (Inzidenzratenverhältnis 0,04). In dieser stärksten Gruppe gab es allerdings nur ein einziges Ereignis.
Die schwächste Gruppe war im Mittel 48,4 Jahre alt, hatte einen BMI von 33,1, eine geringere Ausdauerleistung und rauchte deutlich häufiger. Die stärkste war 35,1 Jahre alt, mit einem BMI von 26,8. Berücksichtigt man Alter und BMI, war der Unterschied zwischen diesen beiden Gruppen statistisch nicht mehr eindeutig.
Das ist eine Korrelation, kein Beweis. Die Studie zeigt nicht, dass Liegestütze vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen; wer viele schaffte, war hier vor allem jünger, schlanker und ausdauernder. Die Autoren schreiben selbst, ihre Daten stützten die Liegestützzahl nicht als unabhängigen Risikofaktor, und die Ergebnisse ließen sich nicht ohne Weiteres auf Frauen, Ältere oder wenig aktive Menschen übertragen.
Wie schwer ein Liegestütz ist, lässt sich ziemlich genau steuern. Eine Messung an 23 jungen Erwachsenen, 14 Männern und 9 Frauen, hat erfasst, welcher Anteil des Körpergewichts bei sechs Varianten auf den Händen lastet (Ebben 2011).

| Stufe | Variante | Anteil des Körpergewichts auf den Händen |
|---|---|---|
| 1 | Hände 61 cm erhöht | 41 Prozent |
| 2 | Auf den Knien | 49 Prozent (andere Studie: 52,9 Prozent) |
| 3 | Hände 30 cm erhöht | 55 Prozent |
| 4 | Normaler Liegestütz | 64 Prozent (andere Studie: 66,4 Prozent) |
| 5 | Füße 30 cm erhöht | 70 Prozent |
| 6 | Füße 61 cm erhöht | 74 Prozent |
Die Autoren empfehlen genau diese Richtung: von erhöhten Händen und Knien über den normalen Liegestütz zu erhöhten Füßen. Liegestütze an der Wand wurden nicht gemessen. Folgt man dem Prinzip, dass ein steilerer Körper weniger Last bedeutet, dürften sie die leichteste Stufe sein.
Der Kniestütz ist dabei kein Mogeln. In der japanischen Vergleichsstudie nutzte die Liegestützgruppe auch Kniepositionen, um auf die gewünschte Last zu kommen, und legte bei Kraft und Muskeldicke ähnlich zu wie die Bankdrückgruppe.
Eine Tageszahl nennt keine Leitlinie. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Erwachsenen, an mindestens zwei Tagen pro Woche alle großen Muskelgruppen mit mindestens moderater Intensität zu kräftigen. Eine Bestandsaufnahme des Bundesgesundheitsministeriums nennt dieselbe Empfehlung für Deutschland; Ausdauer- und Kraftempfehlung zusammen erreichen danach nur 29 Prozent der 18- bis 64-Jährigen.
Das ACSM empfahl Einsteigern 2009 eine Last, mit der 8 bis 12 Wiederholungen möglich sind, an zwei bis drei Tagen pro Woche, und eine Steigerung, sobald ein bis zwei Wiederholungen mehr als geplant gelingen. Die Neufassung von 2026 stützt sich auf 137 Übersichtsarbeiten mit mehr als 30.000 Teilnehmenden. Kraft nahm stärker zu bei mindestens zwei Einheiten pro Woche, zwei bis drei Sätzen pro Übung und vollem Bewegungsumfang, Muskelwachstum bei mindestens zehn Sätzen pro Muskelgruppe und Woche.
Training bis zum völligen Muskelversagen brachte keinen zusätzlichen Nutzen. Es genügt, einen Satz zu beenden, wenn noch zwei bis drei saubere Wiederholungen möglich wären. Auf Liegestütze übertragen heißt das:
Mehr ist dabei nicht automatisch besser. Ein Fallbericht beschreibt einen 34-jährigen Nichtsportler, der über vier Monate täglich Hunderte Liegestütze machte und einen Ermüdungsbruch des Schlüsselbeins erlitt. Ein Einzelfall belegt kein allgemeines Risiko, für Tagesziele in dieser Größenordnung gibt es aber auch keinen belegten Nutzen.
Beim klassischen Liegestütz ist das Handgelenk stark überstreckt. In einer Laborstudie an acht Handgelenken von Körperspendern erhöhte diese Stellung den Spitzendruck zwischen Speiche und Kahnbein im Vergleich zu einer neutralen Haltung wie beim Faust-Liegestütz. Bei 14 gesunden Männern zeigte eine Bewegungsanalyse: Mit geradem Handgelenk, etwa auf Fäusten oder Griffen, sank die Last am Ellbogen, die an der Schulter stieg. Griffe verlagern die Belastung also, sie heben sie nicht auf.

Wer Kreuzschmerzen hat, geht mit Varianten vorsichtig um, bei denen die Hände weit vor oder hinter den Schultern stehen. Dort waren Bauch- und Rückenmuskeln in einer Messung am stärksten aktiv, die Autoren raten bei Rückenschmerzen zur Vorsicht.
Anhaltende oder wiederkehrende Schmerzen in Schulter, Ellbogen oder Handgelenk sind kein Signal zum Durchbeißen: Lassen Sie sie physiotherapeutisch oder ärztlich abklären, bevor Sie weiter steigern. Bei Brustschmerz, Atemnot oder Schwindel brechen Sie sofort ab und lassen die Beschwerden ärztlich abklären, bei starken oder anhaltenden Brustschmerzen über den Notruf 112. Wer eine Herz-Kreislauf-Erkrankung hat, schwanger ist oder nach einer Verletzung wieder einsteigt, bespricht das Training vorher mit der Ärztin oder dem Arzt.
Für Ältere hält das ACSM Training bis zur völligen Erschöpfung möglicherweise für ungünstig, wegen der Belastung für die Gefäße und des Verletzungsrisikos bei nachlassender Technik.
Ein sinnvoller nächster Schritt neben dem Training: Berechnen Sie Ihren Proteinbedarf, damit Ihre Ernährung zu Ihrem Trainingsziel passt.
Sie können Muskeln aufbauen, wenn jeder Satz fordernd genug ist. In der japanischen Vergleichsstudie wurde der Brustmuskel nach acht Wochen Liegestütztraining um 18,3 Prozent dicker, kaum weniger als beim Bankdrücken. Für Muskelwachstum war die Höhe der Last in der ACSM-Auswertung weniger entscheidend als genügend Sätze nahe der Erschöpfung; für Maximalkraft halfen schwerere Lasten. Wer sehr viele Wiederholungen schafft, wechselt deshalb besser zu einer schwereren Stufe.
Allgemeingültige Normwerte liefern die hier ausgewerteten Studien nicht. Zur Orientierung: Von den 1.104 Feuerwehrmännern der Studie aus Indiana, im Mittel knapp 40 Jahre alt, schafften 75 höchstens zehn Liegestütze, 389 zwischen 21 und 30 und 155 mehr als 40. Das ist eine körperlich aktive Berufsgruppe, kein Durchschnitt der Bevölkerung. Aussagekräftiger als ein Vergleich ist Ihr eigener Fortschritt über die Stufen der Tabelle.
Die Technik ist dieselbe. In der Messung mit 23 Erwachsenen, darunter 9 Frauen, fanden die Forschenden keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern darin, welchen Anteil des Körpergewichts die einzelnen Varianten auf die Hände bringen. Die Trainingsstudien zum Vergleich mit Bankdrücken stammen allerdings überwiegend von jungen Männern, die Feuerwehr-Studie untersuchte nur Männer. Die Empfehlungen von WHO und ACSM gelten für alle Erwachsenen.
Eine feste Pausenregel lässt sich aus den Studien nicht ableiten. Das ACSM empfahl Einsteigern 2009 zwei bis drei Trainingstage pro Woche. Die Auswertung von 2026 fand beim Muskelwachstum keinen Unterschied zwischen einer und mehr als fünf Einheiten pro Woche, solange der Gesamtumfang gleich war. Wer täglich üben möchte, verteilt also die Sätze, statt sie zu vervielfachen, und legt bei Schmerzen eine Pause ein.
Die WHO empfiehlt muskelkräftigende Aktivitäten ausdrücklich für alle Altersgruppen, und die ACSM-Empfehlung von 2026 gilt für gesunde Erwachsene ab 18 Jahren. Wer länger nicht trainiert hat, beginnt mit erhöhten Händen und beendet jeden Satz mit Reserve, denn Training bis zur völligen Erschöpfung hält das ACSM für Ältere möglicherweise für ungünstig. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Gelenkbeschwerden klären Sie die passende Belastung vorher ärztlich ab.
Als Anfänger trainieren Sie zwei- bis dreimal pro Woche den ganzen Körper, mit 1 bis 3 Sätzen pro Übung und einem Gewicht…
EMS-Training kann bei untrainierten und vor allem älteren Menschen Muskelmasse und Kraft steigern, in Vergleichsstudien aber nicht stärker als klassisches Krafttraining. Dass…
Einen festen Körperfettanteil für ein sichtbares Sixpack gibt es nicht. Faustwerte von etwa 10 bis 12 Prozent bei Männern und 16 bis…
Datenschutz-Einstellungen
Mit Ihrer Einwilligung messen wir mit Google Analytics, welche Artikel und Rechner gelesen werden. Die Seite funktioniert auch ohne. Ihre Wahl können Sie jederzeit in den Cookie-Einstellungen in der Fußzeile ändern. Mehr dazu in der Datenschutzerklärung. Einstellungen