Krafttraining für Anfänger: Wie oft, wie schwer, wie lange
Als Anfänger trainieren Sie zwei- bis dreimal pro Woche den ganzen Körper, mit 1 bis 3 Sätzen pro Übung und einem Gewicht…
EMS-Training kann bei untrainierten und vor allem älteren Menschen Muskelmasse und Kraft steigern, in Vergleichsstudien aber nicht stärker als klassisches Krafttraining. Dass 20 Minuten Stunden im Fitnessstudio ersetzen, ist nicht belegt, und beim Abnehmen bringt EMS kaum Zusatznutzen. Hauptrisiko ist ein zu harter Einstieg, der Muskelgewebe zerstören kann. Starke Muskelschmerzen mit dunklem Urin gehören sofort in ärztliche Hände.
Begrenzte Evidenz: Mehrere randomisierte Studien und drei Metaanalysen zeigen Zuwächse bei Muskelmasse und Kraft, die Studien sind aber klein, uneinheitlich, stammen zu einem großen Teil von einer Arbeitsgruppe und betreffen meist untrainierte, ältere Menschen. Für den Ersatz von Krafttraining und für Fettabbau ist die Datenlage schwach.
Sie haben die Werbung gesehen: 20 Minuten EMS-Training pro Woche sollen mehrere Stunden im Fitnessstudio ersetzen. Die kurze Antwort: Ganzkörper-EMS kann bei untrainierten und vor allem älteren Menschen Muskelmasse und Kraft steigern. Dass es klassisches Krafttraining ersetzt, zeigen die Studien nicht, und beim Abnehmen bringt es kaum einen messbaren Vorteil.
Dazu kommt ein ernstes Risiko: Ein zu harter Einstieg kann so viel Muskelgewebe zerstören, dass die Nieren in Gefahr geraten.
Nein, belegt ist das nicht. Zwei kleine Vergleichsstudien mit 48 Männern und 20 Frauen fanden nach 10 bis 16 Wochen ähnliche Kraftzuwächse wie mit Krafttraining, aber keine größeren. In einer Studie mit 118 Menschen mit Adipositas erhielt während einer Diät nur klassisches Krafttraining die Muskelmasse, EMS dagegen nicht.

Beim Ganzkörper-EMS (in der Forschung WB-EMS) tragen Sie eine Weste mit Elektroden, deren Stromimpulse alle großen Muskelgruppen gleichzeitig anspannen, meist 4 bis 6 Sekunden lang mit 4 Sekunden Pause, über etwa 20 Minuten. Dabei bewegen Sie sich leicht mit.
In einer randomisierten Studie aus Erlangen trainierten 48 untrainierte Männer zwischen 30 und 50 Jahren 16 Wochen lang (Kemmler 2016): entweder zweimal pro Woche hochintensives Krafttraining mit einem Satz pro Übung bis zur Erschöpfung oder dreimal in zwei Wochen je 20 Minuten EMS. Die fettfreie Masse nahm um 1,25 beziehungsweise 0,93 Prozent zu, die Beinkraft um 12,7 beziehungsweise 7,3 Prozent. Die Unterschiede zwischen den Gruppen waren nicht signifikant. Allerdings war auch das Vergleichstraining ein zeitsparendes Kurzprogramm, kein stundenlanges Studiotraining. Die Autoren nennen EMS eine zeitsparende, aber teure Alternative dazu.
Am nächsten an „20 Minuten statt Stunden“ kommt eine Studie der Universität Turin (Grgic 2025). 20 junge, inaktive Frauen trainierten zehn Wochen lang einmal pro Woche 20 Minuten mit EMS oder im Mittel zweimal pro Woche 60 bis 90 Minuten an Geräten. Die Maximalkraft in der Kniebeuge stieg um 36 beziehungsweise 34 Prozent. Allerdings wählten die Frauen ihre Gruppe selbst, je zehn pro Gruppe.
Gegen die Gleichsetzung spricht eine randomisierte Studie des Universitätsklinikums Erlangen, die nicht von der EMS-Arbeitsgruppe stammt (Reljic 2021). 118 Menschen mit Adipositas und metabolischem Syndrom aßen zwölf Wochen lang weniger und trainierten mit EMS, mit Krafttraining oder gar nicht. Kraft gewannen alle trainierenden Gruppen. Ihre Muskelmasse erhielten aber nur die Krafttrainingsgruppen, und nur sie verbesserten Stoffwechselwerte und Lebensqualität.
Die Erlanger Arbeitsgruppe um Wolfgang Kemmler, die auch viele Einzelstudien durchgeführt hat, legte 2021 eine Metaanalyse vor. Sie umfasst 16 Studien mit 897 nicht sportlich trainierten Erwachsenen und Laufzeiten von 6 bis 54 Wochen. Sie fand große Effekte auf Muskelmasse und Maximalkraft (standardisierte Effektgrößen 1,23 für die Muskelmasse, 0,98 für die Beine, 1,08 für den Rumpf), beim Körperfett keinen signifikanten Effekt.
Eine Metaanalyse der Universität Extremadura in Spanien mit 26 Studien und 1.183 Teilnehmenden fand deutlich kleinere, aber signifikante Effekte auf Muskelmasse (0,36), Kraft (0,54) und Körperfett (minus 0,38) (Rodrigues-Santana 2023).
Ein Schwerpunkt liegt bei der Sarkopenie, dem Verlust von Muskelmasse und Kraft im Alter, oft verbunden mit Übergewicht. In der FORMOsA-Studie wurden 75 Frauen ab 70 Jahren auf zwei EMS-Gruppen und eine Kontrollgruppe ohne Training verteilt (Kemmler 2016). Nach 26 Wochen mit einer Einheit pro Woche stieg der Skelettmuskelindex mit EMS um 2,0 bis 2,5 Prozent und sank ohne Training um 1,2 Prozent. Beim Körperfett unterschieden sich die Gruppen nicht.
In der FranSO-Studie mit 100 Männern ab 70 stieg der Muskelindex in 16 Wochen mit EMS plus Eiweißpräparat, aber auch mit Eiweiß allein (Kemmler 2017). Nur mit EMS nahm die Handkraft zu, um 1,9 Kilogramm. Nebenwirkungen wurden nicht registriert. Wie viel Eiweiß Sie brauchen, zeigt die Seite zum Proteinbedarf nach Ziel und Alter.
Eine brasilianische Metaanalyse von 13 randomisierten Studien mit über 60-Jährigen bestätigt das Bild (de Oliveira 2022): große Effekte auf einen Sarkopenie-Wert und die Beinkraft, mittlere auf Handkraft, Gehgeschwindigkeit und die Muskelmasse von Armen und Beinen. Taillenumfang und Triglyceride (Blutfette) änderten sich nicht signifikant.
Kaum messbar. In einer Erlanger Studie hatten 90 Frauen mit Übergewicht 16 Wochen lang ein tägliches Energiedefizit von 500 kcal (Willert 2019). Ein Drittel reduzierte nur die Kalorien, ein Drittel bewegte sich zusätzlich, ein Drittel machte obendrein EMS. Alle Gruppen verloren Fett: 2,2 kg, 3,7 kg und mit EMS 3,3 kg, ohne signifikanten Unterschied. Bei der fettfreien Masse lag die EMS-Gruppe etwas vorn, auch das war im Gesamtvergleich nicht signifikant.
In der Studie von Reljic 2021 verloren alle Gruppen rund 3 Prozent Körpergewicht und etwa 2,6 kg Fett, auch die Gruppe ohne Training. Die Arbeit am Fett leistete in beiden Studien das Kaloriendefizit, nicht der Strom.
Auch der Verbrauch während einer Einheit ist bescheiden: Bei 19 mäßig trainierten Männern lag er während 16 Minuten leichtem Krafttraining mit EMS bei 412 kcal pro Stunde, ohne EMS bei 352 kcal (Kemmler 2012, Pano-Rodriguez 2019). Für 16 Minuten sind das rechnerisch rund 16 kcal mehr. Nach einer einzelnen sehr harten Einheit lag der Verbrauch bei 16 Personen über bis zu 72 Stunden netto um etwa 460 kcal höher (Teschler 2018), doch von genau solchen Einheiten raten die Leitlinien Einsteigern ab.
| Studie | Teilnehmende | Dauer | Vergleich | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|
| Kemmler 2016 | 48 untrainierte Männer | 16 Wochen | EMS gegen hochintensives Krafttraining | fettfreie Masse plus 0,93 % (Krafttraining plus 1,25 %) |
| Grgic 2025 | 20 inaktive Frauen, nicht per Los verteilt | 10 Wochen | EMS 1-mal 20 Min. gegen Geräte 2-mal 60 bis 90 Min. pro Woche | Kniebeuge plus 36 % (Geräte plus 34 %) |
| FORMOsA 2016 | 75 Frauen ab 70 mit sarkopener Adipositas | 26 Wochen | EMS gegen kein Training | Muskelindex plus 2,0 bis 2,5 % (Kontrolle minus 1,2 %) |
| Willert 2019 | 90 Frauen mit Übergewicht, alle mit Defizit | 16 Wochen | EMS gegen Diät mit oder ohne Bewegung | Fettverlust 3,3 kg (ohne EMS 2,2 und 3,7 kg) |
| Reljic 2021 | 118 Menschen mit Adipositas, alle mit Diät | 12 Wochen | EMS gegen Krafttraining und keine Bewegung | Fettverlust überall etwa 2,6 kg, Muskelmasse nur mit Krafttraining erhalten |
Gewerbliches EMS-Training regelt in Deutschland die Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen nichtionisierender Strahlung (NiSV). Seit dem 31. Dezember 2022 dürfen nur Personen mit nachgewiesener Fachkunde Muskelstimulation gewerblich anwenden, so das Bundesumweltministerium. Wer die Fachkunde per Schulung erworben hat, muss sie seit dem 1. Januar 2026 mit dem Zertifikat einer akkreditierten Stelle belegen. Neue Zertifikate gibt es nur nach bestandener Prüfung, sie gelten fünf Jahre.
Die Schulung umfasst mindestens 23 Lerneinheiten zu je 45 Minuten. Zugelassen wird nur, wer schon eine Übungsleiter- oder Trainerlizenz (mindestens C-Lizenz) mit mindestens 120 Lerneinheiten oder eine vergleichbare Ausbildung hat. Physiotherapeutinnen, Masseure und entsprechend fortgebildete Ärztinnen und Ärzte erwerben die Fachkunde über ihre Ausbildung. Wer per Schulung qualifiziert ist, muss mindestens alle fünf Jahre eine Aktualisierungsschulung besuchen.
Vor dem ersten Training muss das Studio Sie über Wirkung, Risiken, Nebenwirkungen und Alternativen aufklären, auch darüber, ob eine fachärztliche Abklärung nötig sein kann, und das samt Ihrem Einverständnis dokumentieren. Fragen Sie ruhig nach dem Fachkunde-Nachweis Ihrer Trainerin oder Ihres Trainers.
Die internationale Leitlinie von 2023, koordiniert von der Erlanger Arbeitsgruppe, empfiehlt (Kemmler 2023):
Das ernsteste Risiko heißt Rhabdomyolyse: Muskelfasern gehen zugrunde, ihr Inhalt gelangt ins Blut und kann die Nieren schädigen. Ärztlich spricht man meist davon, wenn das Muskelenzym Kreatinkinase (CK) auf mindestens das Zehnfache des oberen Normwerts steigt.

Wie heftig das ausfallen kann, zeigte eine Erlanger Studie mit 26 gesunden, sportlichen EMS-Neulingen (Kemmler 2015). Nach einer ersten intensiven 20-Minuten-Einheit stieg ihre CK im Mittel auf das 117-Fache des Ausgangswerts, auf 28.545 Einheiten pro Liter (U/l), mit dem Höchstwert erst nach 72 bis 96 Stunden. Nierenversagen trat nicht auf. Nach zehn Wochen mit einer Einheit pro Woche lag die Reaktion auf eine harte Einheit nur noch bei 906 U/l, ähnlich wie nach üblichem Krafttraining.
Gute Fitness schützt nicht: Bei einem jungen Profifußballer reichte eine einzige EMS-Einheit für eine Rhabdomyolyse mit einem CK-Wert von bis zu 240.000 U/l (Kästner 2015). Eine Übersichtsarbeit zählte 2019 sieben veröffentlichte Fälle nach Ganzkörper-EMS, mehrfach mit Beteiligung der Nieren, eine Dialyse war nicht nötig (Stöllberger 2019). Die Autoren vermuten eine hohe Dunkelziffer, weil die typischen Zeichen nur bei etwa jedem zehnten Fall auftreten.
Deutsche Fachleute haben 2024 ihre Liste der Gegenanzeigen überarbeitet (von Stengel 2024). Sie ist rechtlich nicht verbindlich; die Leitlinie verlangt aber, Gegenanzeigen vor dem ersten Training abzufragen. Absolute Gegenanzeigen sind unter anderem:
Eine schriftliche ärztliche Freigabe brauchen Sie unter anderem bei Diabetes, Krebs, Nieren- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bandscheibenvorfällen und akuten Rückenschmerzen ohne Diagnose. Eine Übersichtsarbeit nennt zusätzlich Medikamente, die eine Rhabdomyolyse begünstigen, etwa Statine. Wer solche Mittel nimmt oder schon einmal eine Rhabdomyolyse hatte, sollte vorher ärztlichen Rat einholen.
Starke Muskelschmerzen oder Schwäche nach einer EMS-Einheit, vor allem mit dunklem, colafarbenem Urin, gehören noch am selben Tag in die Arztpraxis oder Notaufnahme. Auch Fieber, Übelkeit, Herzrasen oder allgemeines Krankheitsgefühl können Anzeichen sein. Weil die CK erst nach drei bis vier Tagen am höchsten ist, können Beschwerden verzögert auftreten.
Unterm Strich kann EMS-Training eine Option für Menschen sein, die klassisches Krafttraining nicht schaffen oder nicht mögen, wenn der Einstieg langsam ist und das Studio die Regeln einhält. Mehr zu Kraft und Ausdauer finden Sie im Bereich Training. Wenn Abnehmen Ihr eigentliches Ziel ist, berechnen Sie zuerst Ihr Kaloriendefizit: In den Studien entschied das Defizit über den Fettverlust, nicht die Trainingsmethode.
Die internationale Leitlinie von 2023 rät in den ersten 8 bis 10 Wochen zu höchstens einer Einheit von 20 Minuten pro Woche, ohne hohe Intensität. Danach sollten zwischen harten Einheiten mindestens vier Tage liegen, damit sich Abbauprodukte aus dem Muskel nicht anhäufen. In den Studien mit älteren Menschen trainierten die Teilnehmenden ein- bis anderthalbmal pro Woche je 20 Minuten.
Davon rät die internationale Leitlinie ausdrücklich ab: Ganzkörper-EMS soll nur unter Aufsicht einer lizenzierten Trainerin oder eines lizenzierten Trainers stattfinden, unbeaufsichtigtes Training sei strikt zu vermeiden. Der Grund ist das Risiko einer Überlastung bis hin zur Rhabdomyolyse, das vor allem Neulinge trifft, weitgehend unabhängig von ihrer Fitness. Dass solche Geräte im Handel erhältlich sind, ändert an diesem Risiko nichts.
Die Studien liefen zwischen 4 und 54 Wochen, und die gemessenen Veränderungen fielen moderat aus. In der Vergleichsstudie mit 48 Männern nahm die fettfreie Masse nach 16 Wochen um 0,93 Prozent zu, die Beinkraft um 7,3 Prozent. Bei Frauen ab 70 Jahren stieg der Skelettmuskelindex nach 26 Wochen um 2,0 bis 2,5 Prozent. Sichtbare Veränderungen nach wenigen Einheiten lassen sich aus diesen Daten nicht ableiten.
Für ältere, untrainierte Menschen ist die Studienlage am aussagekräftigsten. Eine Metaanalyse von 13 randomisierten Studien mit über 60-Jährigen fand Verbesserungen bei Muskelmasse, Bein- und Handkraft sowie Gehgeschwindigkeit, und in der FranSO-Studie mit 100 Männern ab 70 wurden keine Nebenwirkungen registriert. Lassen Sie vorher ärztlich prüfen, ob eine Gegenanzeige vorliegt, etwa Herzrhythmusstörungen, Arteriosklerose, Diabetes oder ein Herzschrittmacher.
Bei einer Rhabdomyolyse gehen Muskelfasern zugrunde, und ihr Inhalt gelangt ins Blut. Ärztlich zeigt sie sich an einem stark erhöhten CK-Wert, meist mindestens dem Zehnfachen des oberen Normwerts. Gefährlich sind vor allem Nierenschäden bis zum akuten Nierenversagen und Störungen im Mineralhaushalt. Die klassischen Zeichen sind Muskelschmerzen, Schwäche und dunkler Urin, sie fehlen aber oft. Auslöser können neben extremer Anstrengung auch Infekte, Alkohol, Drogen und bestimmte Medikamente sein.
Nein. Beides gilt in der deutschen Expertenliste von 2024 als absolute Gegenanzeige. Bei Herzschrittmachern, implantierten Defibrillatoren, Neurostimulatoren oder Schmerzpumpen können die Stromimpulse die Geräte stören. Auch Epilepsie und Herzrhythmusstörungen schließen EMS-Training aus. Bei Diabetes, Krebs oder Nierenerkrankungen ist es nur mit schriftlicher ärztlicher Freigabe möglich. Fragen zu Bewegung in der Schwangerschaft klären Sie am besten mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt.
Als Anfänger trainieren Sie zwei- bis dreimal pro Woche den ganzen Körper, mit 1 bis 3 Sätzen pro Übung und einem Gewicht…
Liegestütze machen Sie richtig, wenn die Hände etwa schulterbreit unter den Schultern stehen, der Körper von Kopf bis Ferse eine Linie bildet,…
Einen festen Körperfettanteil für ein sichtbares Sixpack gibt es nicht. Faustwerte von etwa 10 bis 12 Prozent bei Männern und 16 bis…
Datenschutz-Einstellungen
Mit Ihrer Einwilligung messen wir mit Google Analytics, welche Artikel und Rechner gelesen werden. Die Seite funktioniert auch ohne. Ihre Wahl können Sie jederzeit in den Cookie-Einstellungen in der Fußzeile ändern. Mehr dazu in der Datenschutzerklärung. Einstellungen